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Demographische Entwicklung

und ihre Hintergründe

Demographische Entwicklungen und ihre Hintergründe

Zu meinen Aufgaben als Pfarrer gehört es auch, das Leben unserer Pfarrei und die Lebendigkeit unserer Gemeinden zu beobachten und zu fördern. Nun möchte ich alle an dem teilhaben lassen, was mir jetzt vorliegt. Was die Zahlen anbelangt, handelt es sich dabei um sog. „Momentaufnahmen“, weil Zahlen sich stetig verändern. Die aktuellsten Zahlen habe ich im Februar erheben können bei unserem „Kirchlichen Meldewesen“ und bei unseren vier Rathäusern in Bad Soden, Eschborn, Schwalbach und Sulzbach (Einwohnermeldeämtern). Einige Zahlen habe ich auch von evang. Pfarrämtern bekommen. Hier sind die zum besseren Verständnis immer leicht gerundeten Zahlen:

Unsere vier Kommunen haben zusammengenommen 70.000 Einwohner. 13.700 (19,5%) davon gehören der katholischen Kirche an, 12.000 (17,5%) den evangelischen Kirchen – soweit man das zählen kann. Es ist bekannt, dass es Christen bei uns gibt, die sich beim Zuzug (bewusst oder unbewusst) nicht als Kirchenangehörige angemeldet haben und dennoch am Leben unserer Gemeinden teilnehmen. (Im Ausland gibt es eine Kirchensteuer so gut wie nicht.) Sie kommen deshalb aber in der Statistik auch nicht vor. Insgesamt kann man feststellen, dass die Zeit, da die Hälfte der Bevölkerung einer christlichen Kirche angehörte, schon seit einigen Jahren vorbei ist. So ist es in ganz Deutschland, mit regionalen Unterschieden von Ost bis West. Hier bei uns gibt es nur noch ein knappes Fünftel (19.5%) Katholiken und etwas weniger (17,5%) Protestanten.

 

Im Einzelnen sieht es wie folgt aus:

Bad Soden: 23.100 Einwohner – davon 5.100 Katholiken und 4.200 Protestanten

Eschborn: 22.800 Einwohner – davon 3.800 Katholiken und 3.600 Protestanten

Schwalbach: 16.300 Einwohner – davon 2.800 Katholiken und 2.300 Protestanten

Sulzbach: 9.200 Einwohner – davon 1.800 Katholiken und fast gleich viele Protestanten

 

Betrachtet man unsere 7 Gemeinden, ergibt sich das folgende Bild:

Bad Soden-Kernstadt: 14.600 Einwohner – davon 3.100 Katholiken und 2.600 Protestanten

Neuenhain: 7.000 Einwohner – davon 1.500 Katholiken und 1.400 Protestanten

Altenhain: 1.400 Einwohner – davon 440 Katholiken und 230 Protestanten

Eschborn-Stadt: 16.100 Einwohner- davon 2.400 Katholiken und 2.200 Protestanten

Niederhöchstadt: 7.700 Einwohner – davon 1.400 Katholiken und gleich viele Protestanten

Schwalbach: 16.300 Einwohner – davon 2.800 Katholiken und 1.300 Protestanten in der Altstadt und 1.000 Protestanten in der Limesstadt

Sulzbach: 9.200 Einwohner – davon je 1.800 Katholiken und Protestanten.

 

Festzustellen ist, dass die Zahl der Neugetauften und der neuzugezogenen Christen (Zugänge) deutlich unter der Zahl der Verstorbenen und der Kirchenaustritte (Abgänge) liegt. Vor allem die Kirchenaustritte machen uns zu schaffen. Manchmal – vor allem wenn Einzelne nach einem Austritt wieder der Kirche beitreten möchten – bekommen wir die Gründe dafür genannt. Ganz oft spielen die Finanzen eine Rolle oder einfach eine Entfremdung von der Kirche. Aber auch die Verärgerung über konkrete eigene Enttäuschungen oder das Verhalten der Kirche insgesamt (Stichwort: Missbrauchsskandal oder Tebartz-van Elst) sind die Gründe.

Ich gehe - genauso wie auch viele andere in unserem Bistum und in der deutschen Kirche, bei denen es nicht anders aussieht, als bei uns – davon aus, dass der Schrumpfungsprozess noch nicht zu seinem Ende gekommen ist. Wir dürfen davor nicht die Augen verschließen. Untaugliche Gegenmaßnahmen sind die Versuche, alles wieder so zu machen, wie früher, oder jetzt nur kräftiger dasselbe weiter zu machen, was wir ohnehin schon tun oder auf die gerade mondernsten Züge aufzuspringen. Das wird uns nicht helfen. Im Sinne einer Kirche, die hilfreich ist für die Menschen, werden wir uns überlegen müssen, was wir sinnvoll anbieten können. Einiges, vor allem für Familien und Kinder, tun wir da schon. Anderes wird uns noch einfallen müssen. Auch unsere Gottesdienste müssen „entstaubt“ gefeiert werden, weil die althergebrachten Riten nicht mehr allen verständlich sind. Es ist gut, wenn es darüber Debatten gibt, in denen wir gemeinsam erkennen, wie Kirche heute sein soll und hilfreich ist.

Eine Überlegung zum Schluss: Weniger Kirchenmitglieder bedeutet auch weniger finanzielle Mittel, mit denen wir als Kirche etwas tun können. Wir überlegen schon, ob wir uns in derselben Weise wie bisher noch alle Gebäude und das Personal leisten können. Damit verbunden ist auch unsere gesellschaftliche Anstrengung im Sozialbereich (kirchliche Kindertagesstätten, Schulen, Altenheime, Krankenhäuser usw. usw.). Es ist bekannt, das nicht umsonst alle denkenden politisch Verantwortlichen um den großen Wert unserer Kirchen für das Gemeinwohl wissen und den Beitrag der Kirchen zum Gelingen des Staates auch wünschen. Wir als Kirchen sind gern und überzeugt für das Gemeinwohl tätig, aber wir benötigen dazu Wohlwollen und Unterstützung.

 

Alexander Brückmann, Pfarrer

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