Chronik 2025
Drei Jahre sind wir nun schon die vereinigte Pfarrei Heilig Geist am Taunus. Wir gestalten unser Leben als Kirche innerhalb unserer Pfarrei und wissen, dass wir gleichfalls eine Bedeutung für die Gesellschaft rund um uns herum haben, zu der wir ja selbst auch gehören.
Die Einstellung der Menschen zur Kirche ändert sich fortwährend. Die enge Verbundenheit mit einer Kirchengemeinde geht zurück. Traditionelle Gemeindeveranstaltungen und auch Gottesdienste werden hinterfragt. Die Teilnahme daran nimmt ab. Gefragt sind wir weiterhin in der Begleitung familiärer Ereignisse. Taufen, Trauungen und Beerdigungen sind den Menschen wichtig, selbst wenn sie sonst zur Kirche auf Abstand gegangen sind. Gleiches gilt für unsere Kindertagesstätten, den schulischen Religionsunterricht, die Erstkommunion und die Firmung und natürlich auch für den Heiligabend, an dem immer noch für viele ein Gottesdienst dazu gehört. Demgegenüber schwindet das Bewusstsein, für kontinuierliche Teilnahme oder gar Mitgestaltung des Gemeindelebens eine Verantwortung zu haben. Das Angebot der nicht-kirchlichen Freizeitgestaltung ist stark gewachsen und reichhaltig. Die Kirche tut sich schwer, ihre Bedeutung in der Gesellschaft zu behaupten und zu begründen. Bischof Georg Bätzing stellt uns immer wieder die Frage: „Wofür sind wir Kirche?“ Wir müssen überzeugend sein und nicht davon ausgehen, dass es genügt, nur die Tradition treu zu bewahren.
Ein Problem hierzu ist unser Umgang mit den Gottesdiensten. Die Eucharistiefeier, vor allem am Sonntag, wird gesagt, sei konstitutiv für jede Gemeinde. Die Kirche aber ist zu unbeweglich, um die Messen in ausreichender Anzahl an Sonntagen zu garantieren. Die selbstgewählte Festlegung auf Männer als Priester und den Zölibat ist ihr wichtiger. Es scheint als überwiege die Angst, hier mutige Schritte zu gehen. Selbst die Autorität eines Papstes schreckt vor den beharrenden Kräften in der Kirche zurück, die stets das Alte und die damit verbundenen Privilegien bewahren wollen. Nur ganz kleine Schritte sind mit größter Vorsicht möglich. So gelang es uns beispielsweise im Laufe des Jahres für Hochzeiten neben sakramentalen Trauungen auch Segensfeiern zu etablieren. Es bedarf eines langen Atems und großer Zuversicht, was die weitere Entwicklung der Kirche anbelangt. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, was hier vor Ort möglich und akzeptiert ist. Das auch dank engagierter Gemeindemitglieder, die bereit sind, zu handeln und ihre Sache selbst zu verantworten.
Debatten um die rechten Wege bleiben dabei nicht aus, wie wir es am Beispiel unserer Kindertagesstätten im zurückliegenden Jahr sehen konnten. Beim Betreiben von Kitas ist es oft nicht möglich, die Forderungen der Eltern und die kirchlichen und staatlichen Vorgaben immer miteinander in Einklang zu bringen. Besonders Eltern scheinen von dieser Erkenntnis immer wieder überrascht zu sein. Viele sind zu sehr auf das eigene Wohl bedacht und übersehen dabei, dass dies mit dem Wohl der Allgemeinheit zusammen passen muss.
Mit unseren sieben Kindertagesstätten leisten wir den Kommunen und den Familien einen gewünschten Dienst. Gerade auch als kirchliche Einrichtungen sind wir hier gefragt. Die Anzahl der U3-Gruppen hat dabei in den zurückliegenden Jahren entsprechend der Wünsche in den Kommunen zugenommen. Im Zusammenhang mit vermuteter Kindeswohlgefährdung gab es Probleme, die langwierig mit Eltern, Personal und der Öffentlichkeit bearbeitet werden mussten. Ein Segen war dabei die Arbeit unserer beiden Kita-Koordinator:innen, ohne die der Verwaltungsrat die Trägerschaft unsere Kindertagesstätten nicht verantworten könnte. Die Notwendigkeit von Kita-Koordinator:innen zeigte sich auch im notwendigen Miteinander der sieben Kindertagesstätten unserer Pfarrei. Vorherige Eigenständigkeiten und Sonderwege mussten angepasst werden. Dazu kam die Bewältigung von neuen Anforderungen in den Bereichen Verwaltung, Qualitätsmanagement, Prävention, Datenschutz und anderes mehr.
Die katholische Überzeugung, dass Leben und Glauben am besten in der kirchlichen Gemeinschaft geht, schwindet zunehmend. Hier gleichen wir uns immer mehr den evangelischen Kirchen an. Das entspricht wahrscheinlich auch dem Zeitgeist, der dem Individuellen mehr und mehr den Vorrang vor dem Kollektiven einräumt. Eigeninteressen gehen vor Gemeinwohl, im Kleinen wie auch im Gefüge ganzer Staaten, was man in Europa und in der ganzen Welt beobachten kann – und auch im Umfeld katholischer Kirchengemeinden.
In unserer Gesellschaft benehmen sich die Menschen zunehmend wie Schnäppchenjäger, die stets versuchen, das Beste für sich herauszuholen. Gemeinsinn und belastbare Solidarität schwinden. Entsprechend sind die Forderungen an die Politiker und die Regierenden, denen es gar nicht gelingen kann, alle Wünsche zu erfüllen. In der Kirche sieht es ähnlich aus. Der Wert von Zusammensein und Gemeinde wird von vielen nicht mehr erkannt. Der Wunsch aber nach Befriedigung der eigenen Interessen ist nach wie vor da. Deshalb haben Tauf- und Trautermine, Kita-Plätze, Christmetten usw. eine gesteigerte Bedeutung. Der Bedarf an Treffen für Jung und Alt, an Gemeindefesten und Sonntagsgottesdiensten geht demgegenüber zurück.
Das Mit- und nebeneinander von gemeinsamer Pfarrei und Ortsgemeinden wird auch nach drei Jahren immer noch eingeübt und aufeinander abgestimmt. Strukturell stehen dafür der gemeinsame Pfarrgemeinderat mit seinen Sachausschüssen und den sieben Ortsausschüssen. Diese haben das Leben der Gemeinden im Blick und gestalten es nach dem Subsidiaritätsprinzip gemeinsam für die Pfarrei oder in den Gemeinden.
Die eine Pfarrei und die sieben Gemeinden sind in Balance zu halten. Der Abschied von der vorherigen Selbständigkeit und das Handeln als Pfarrei sowie das Verständnis von kategorialer Seelsorge und daneben auch ortsbezogener Pastoral werden immer wieder thematisiert. Es kann nicht mehr wie bisher überall alles geben. Unzufriedenheiten gibt es dabei genauso wie andererseits die Freude über neue gemeinsame Aktivitäten. Traditionen werden gepflegt. Daneben haben sich aber auch neue zukunftsweisende Maßnahmen etabliert. Als Beispiele dafür sind die Kinder- und Familienarbeit zu nennen, wie auch die Erwachsenenarbeit und Gottesdienstformen. Wir sind frei und mutig, Neues auszuprobieren. Wir freuen uns dann über das, was uns gelingt, nehmen aber auch in Kauf, dass einiges noch einmal neu überlegt werden muss.
Ein Sonderfall ist unser oekumenisches Miteinander. Dies muss nach wir vor quasi auf bilateraler Ebene vor Ort zwischen unseren Ortsgemeinden und den jeweiligen evangangelischen Nachbargemeinden geschehen. Zwar entwickelt sich in der EKHN gerade eine neue Zusammenarbeit auf Gemeindeebene durch das Projekt der „Nachbarschafträume“. Wir beobachten hier aber, dass es dort ähnlich lange dauern wird wie mit dem neuen Miteinander der Pastoralen Räume noch vor einigen Jahren bei uns. Es scheint, dass wir Katholiken mitunter den evangangelischen Gemeinden eine Hilfestellung sind für deren eigenes überpfarrliches Miteinander. Oekumenische Aktionen und Gottesdienste sind selbstverständlich und allgemein akzeptiert.
Als neuer Schwerpunkt hat sich jetzt das Thema Nachhaltigkeit ergeben. Im Sinne der Schöpfungsbewahrung (Enzyklika „Laudato si“) haben wir Elemente einer schöpfungsverträglichen Pastoral entwickelt. Die diesbezüglichen größeren und kleineren Maßnahmen sind auf Gegenliebe und Interesse in der Bevölkerung auch über unser normales kirchliches Klientel hinaus gestoßen. Sehr förderlich waren dabei die beiden Mitarbeiter:innen der Stelle für „schöpfungsverträgliche Pastoral“ in der Katholischen Region Taunus. Eine davon, Sr. Nathalie Korf, war vorher schon Mitglied unseres Pastoralteams und blieb mit einer halben Stelle in unserer Pfarrei auch nach Antritt der Stelle in der Region. Ihre Arbeit und der Einsatz des neugegründeten Sachausschusses Nachhaltigkeit unseres Pfarrgemeinderates haben mittlerweile bei uns allen ein verstärktes Bewusstsein für Nachhaltigkeit in vielen gemeindlichen Zusammenhängen geschaffen. Ein Glanzpunkt ist unsere neu errichtete Photovoltaikanlage auf den Dächern des Gemeindezentrums und der Kita in Eschborn, die wir am Christkönigssonntag eingeweiht haben.
Im Blick haben wir bei allem die Menschen, für die wir in unseren vier Kommunen Bad Soden, Eschborn, Schwalbach und Sulzbach Kirche sind. Die traditionelle Kirchenbindung geht wie überall im Rhein-Main-Gebiet zurück. Das Interesse an einer lebensnahen Kirche bleibt aber vorhanden. Ebenso das Bedürfnis nach Sinnstiftung und Spiritualität, die wir unseren Mitmenschen schulden. Dahin hat sich unsere pastorale Arbeit auch in den zurückliegenden Jahren entwickelt. Soweit es uns gelingt, treffen unsere kirchlichen Angebote auf Gegenliebe auch bei ansonsten kirchlich Distanzierten. Zu nennen sind hier insbesondere unsere sieben Kindertagesstätten, die Schulen, die Kinder-, Familien- und die Jugendarbeit. Die Kontakte über Taufe, Erstkommunion, Firmung, Trauung und bei Todesfällen, bei denen Einzelne punktuell wieder mit der Kirche in Kontakt kommen, sind Chancen für uns. Die Gottesdienste an den hohen Feiertagen – insbesondere an Heiligabend – kommen hinzu.
Aktuell stemmen wir das Großprojekt eines Kita-Ersatz-Neubaus in Schwalbach. Das Treffen von Vereinbarungen mit der Stadt und dem Ordinariat ist dabei nicht einfach. Auch hier zeigt sich, dass die Anstellung einer Verwaltungsleiterin sich als Segen erweist. Ohne sie wäre der Verwaltungsrat weitestgehend hilflos in der Bewältigung dieser und vieler anderer Anforderungen.
In der Kirchlichen Immobilien Strategie unseres Bistums (KIS) stehen wir noch am Anfang. Zwar haben wir schon die dazu erforderliche Bestandsaufnahme unserer Gebäude erledigt und dem Ordinariat gemeldet. Von dort haben wir aber erfahren, dass wir uns mit der weiteren Bearbeitung noch gedulden müssen, weil die Ressourcen des Bistums vorher noch für anderen KIS-Projekte zur Verfügung stehen müssen. Dennoch ist das Thema KIS in den Köpfen der Gremien virulent und die Gedankenspiele, was wir erhalten müssen und was wir eventuell abgeben können, kommen in Fahrt.
Im Vorgriff zur KIS ist es uns gelungen, unser nicht mehr benötigtes Gemeindezentrum St. Martin in der Schwalbacher Limesstadt bereits zu veräußern. Leider hat sich auch hier die Zusammenarbeit mit dem Bischöflichen Ordinariat als schwierig erwiesen und den Verwaltungsrat einiges an Nerven gekostet.
Die hilfreiche und gut funktionierende Einrichtung einer Verwaltungsleitung ist für uns eine große Hilfe in der Bewältigung aller pfarramtlichen Verwaltungsaufgaben. Unser Verwaltungsteam, bestehend aus sechs Pfarrsekretärinnen (Voll- und Teilzeit), hat einiges neu- und umlernen müssen, damit die Arbeit jetzt den neuen Anforderungen entsprechend gut läuft. Mit Sorge blicken wir jedoch auf die Ankündigung des Bistums, dass in diesem Bereich auch Sparmaßnahmen anstehen, obwohl gleichzeitig neue Aufgaben für die Pfarrbüros angekündigt werden.
Mit Lücken im Stellenplan für unsere Seelsorgerinnen und Seelsorger müssen wir leider auch zurechtkommen und entsprechend veränderungsbereit sein. Derzeit sind (nach dem bisherigen Stellplan) drei Stellen bei uns unbesetzt. Zum Pastoralteam gehören jetzt neben dem Pfarrer vier Gemeindereferentinnen (Voll- und Teilzeit), eine Gemeindereferentin im Ruhestand (geringbeschäftigt), eine Gemeindeassistentin, ein Sozialarbeiter der Caritas (Multiprofessionelles Team), ein Pfarrvikar, ein nebenamtlicher Diakon und ein Subsidiar (Student in St. Georgen). Wir haben gelernt, dass sich unsere Aufgabengebiete immer mal wieder ändern, weil sie den Möglichkeiten und den Erfordernissen angepasst werden müssen. Kategoriales Arbeiten ist dabei sehr hilfreich. Und immer wieder müssen wir erklären, warum nicht mehr alles so ist wie früher. Es ist zwar ermutigend, dass die Gemeindemitglieder uns mehr bei sich sehen möchten, aber auch wir können nicht an mehreren Orten gleichzeitig sein.
Wir leben mit dem Wandel. Kirchlich ausgedrückt sind wir stets als pilgerndes Gottesvolk unterwegs – von Gott gerufen und begleitet. Dasselbe gilt auch für den am Ostermontag verstorbenen Papst Franziskus und den dann Anfang Mai neu gewählten Papst Leo XIV. Hier in unserer Pfarrei ziehen Menschen zu und andere ziehen weg. Wir taufen neue Gemeindemitglieder. Andere aber treten aus der Kirche aus. Einige sind gestorben und wir haben sie mit ihren Familien betrauert. Am Ende des Jahres leben 13.700 Katholiken in unserer Pfarrei. Wir alle sind in Gottes Hand.
Er nehme das hinter uns liegende Jahr mit unseren Erfolgen aber auch mit unseren Versäumnissen gnädig an. Und er segne das jetzt vor uns liegende neue Jahr, damit es ein Jahr des Heiles werde!
Heilig Geist am Taunus, am 31. Dezember 2025
Pfarrer Alexander Brückmann
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Statistik 2025 der Pfarrei Heilig Geist am Taunus